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Johannes Bittner, 25.05.2004

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Ordnungsmuster und sprachliche Darstellungsweise

Ordnungsmuster, die den Text strukturieren

Private Homepages sind Texte, die in ganz entscheidendem Maße von der ihnen zugrundeliegenden technischen Basis abhängen. Somit stechen auch unter den Ordnungsmustern, welche den Text strukturieren, in erster Linie die technisch bedingten Muster und Strukturen hervor. Mit ihrer Integration in ein (weltweites) Datennetz, in einen besonderen Hypertext und in eine maschinenabhängige Infrastruktur, sowie auf der Grundlage einer bestimmten Markup-Sprache (HTML) hat nicht nur die Bedeutung dieser technischen Ordnungsmuster für den Text enorm zugenommen (im Vergleich zu analogen Texten), sondern es haben sich zudem neue semiotische Systeme entwickelt.

Mit dem Hypertextkonzept des WWW und der Markupsprache HTML ist aber eine weitere Besonderheit von Homepages (nicht nur privaten) vorgegeben, nämlich die Trennung des Textes in eine Oberfläche (für die Rezeption) und in einen "Quelltext" (für die Produktion). Anders als mit analogen Texten interagiert der Rezipient dabei mit der Oberfläche des digitalen Textes der Homepage. Gerade in einem prinzipiell offenen, interoperablen Netz kommt damit Orientierungs- und Navigationsstrukturen eine ganz besondere Bedeutung zu.

Aus all dem ergibt sich schließlich die Erkenntnis, dass private Homepages als digitale Texte medienkontingent sind, das heißt, dass sie nur innerhalb ihres angestammten Platzes im Medium angemessen rezipiert (und auch produziert) werden können. Schon ein einfacher Ausdruck auf Papier zeigt, dass die re-analogisierte Fassung (die zudem in den allermeisten Fällen ausgedruckt auch noch ganz anders aussieht) nicht mehr viel mit der digitalen Version gemein hat.

Die grundlegenden Kennzeichen digitaler Texte sind somit Entlinearisierung (Artikulation auf Textebene), Synästhetisierung und Interaktion.

Entlinerarisierung beschreibt dabei die Tatsache der "Zergliederung" des Gesamttextes in einzelne Elemente, die aber, wie oben beschrieben, auf der Oberfläche durchaus als Einheit erscheinen. Aus der Entlinearisierung ergeben sich die besonderen Anforderungen an Navigationsstrukturen und Kohärenzmarker, aber auch technische Lösungen wie Frames sind in diesem Kontext zu betrachten.

Auch die Synästhetisierung, d.h. das Zusammenwirken unterschiedlicher (und in analogen Medien überwiegend strikt getrennt auftretender) Zeichentypen, findet auf der Oberfläche des Textes statt und wird - gerade entgegengesetzt - durch eine Trennung dieser Datenformate auf der Ebene der "Quelltexte" ermöglicht. Mit der massiven Verwendung grafischer und auraler Elemente und Zeichentypen und -systeme in Texten verändert sich natürlich auch das Verhältnis von Grafik (Bild) und Text sowie die jeweiligen Funktionszuschreibungen.

Rechnerbasierte Hypertextsysteme, wie es das WWW ist, ermöglichen den Rezipienten die Interaktion mit Texten und anderen Elementen, die entsprechende Funktionen bereitstellen (Karten, Rechner etc.). Als interaktives Medium agiert das Hypertextsystem damit zwischen dem Rezipienten (der konsequenterweise inzwischen auch immer öfter als Benutzer oder User bezeichnet wird) und den vom Text angebotenen Interaktionsmöglichkeiten.

Sprachliche Darstellungsweise

Die Dominanz der technisch generierten und technisch bedingten Ordnungsmuster ist auch im Zusammenhang mit typischen Formen der sprachlichen Darstellungsweise zu beobachten: So sind zahlreiche traditionelle Formen makrostruktureller Gliederung aus der analogen Druckschriftlichkeit in das Konzept von HTML eingegangen und damit gewissermaßen "technisiert" worden, etwa Absatzdefinitionen, Zeilenumbrüche, verschiedene Listentypen oder Überschriftenhierarchien.

Gegenüber den zahlreichen technischen Möglichkeiten und Mitteln der makrostrukturellen Gliederung treten die rein sprachlichen Mittel im untersuchten Korpus ein wenig zurück. Dies ist aber verständlich, wenn man sich neben der verlockenden Anziehungskraft der technischen Mittel (deren Gebrauch ja Kompetenz signalisiert) vor Augen hält, dass nur eine vergleichsweise geringe Anzahl der untersuchten Seiten einen erhöhten Elaborationsgrad aufweist, so etwa die Seiten [3], [7], [14], [16]. Einen mittleren Elaborationsgrad mit kürzeren Texten zeigen [4], [5] und [9], einen geringen Elaborationsgrad [2], [6], [8], [10], [11], [12], [13], [15], [17], [18], [19], [20], [21], [22], [24]. Dagegen zeichnen sich [1], [23] und [25] durch einen stark aggregativen Charakter aus, bei dem nur noch Überschriften und Listen zu finden sind.

Generell entsprechen die sprachlichen Merkmale der untersuchten Homepages nicht den Erwartungen, die man an traditionelle analoge Textsorten stellt. Dazu tragen neben der relativ geringen Normgerechtigkeit auch die stark aggregative Gestaltung mit ihrem niedrigen Elaborations- und Verbalisationsgrad sowie eine vergleichsweise geringe morphologische Varianz bei. Auffällig ist dagegen die Integration von längeren Texten, die etablierten Textsortenmustern folgen (wie Kochrezepte, Reisebeschreibungen u.ä.).

Johannes Bittner, 22.06.2004