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Dokumentation

Mehr über "Digitalität, Sprache, Kommunikation"

Das Besondere an digitalen Medien ist - die Digitalität. Das klingt trivial. Fundamental wichtig ist aber der Umstand, dass Zeichen mit der Digitalität in eine andere "Zeichenwelt" überführt werden, die sich von der analogen radikal unterscheidet - selbst wenn die Zeichen oft gleich aussehen mögen.

Analoge Informationen sind kontinuierlich, gehen ineinander über. Dass wir analoge Zeichen dennoch auseinander halten (können), hängt damit zusammen, dass wir (willkürliche) Entscheidungen treffen, wo ein Zeichen endet und das nächste beginnt. Bei Handschriften ist das mitunter schwierig, bei gedruckten Texten schon einfacher. Wir "isolieren" gewisse Informationen aus dem analogen Kontinuum, die wir für relevant halten: Bei einem Buch sind das etwa die Buchstaben, und von jedem Buchstaben dessen "Wert" hinsichtlich seiner Zugehörigkeit zu einer abstrakten Klasse, "A" oder "B" etc. (Andere Informationen wie Buchformat, Papiersorte etc. sondern wir aus.) Doch "das" A, das "A an sich" im platonischen Sinne, ist nur eine per Konvention gültige Klasse. Jedes analoge "A" trägt neben seinem Wert als "A" immer noch diverse andere Informationen in sich, von denen wir abstrahieren, wenn wir es einfach als "A" bezeichnen: Größe, Schriftart, Farbe etc. Bisweilen sind wir auf den Kontext angewiesen, um einen Buchstaben sicher einer bestimmten Klasse zuweisen zu können. Um ein "A" zu identifizieren, müssen wir es auf ein imaginäres Ideal "A" zurückführen.

Digitalität dagegen zerpflückt analoge Informationen in gewissermaßen "atomare" Bestandteile, wenn auch immer nur hinsichtlich einer vordefinierten "Auflösung", d.h. bestimmter Merkmale. Digitalisierung ist daher immer eine Selektion von Informationen und deren Überführung in ein berechenbares Zeichensystem. Digitale Zeichen sind immer eindeutig und in ihren Klassen untereinander identisch, daher auch verlustfrei kopierbar. Digitale Zeichen sind immer durch eine "Lücke" voneinander getrennt, so dass eindeutig feststellbar ist, wo ein Zeichen endet und das nächste beginnt. Die lediglich imaginären idealen Zeichen der analogen Welt - in digitalen Systemen existieren sie. Was im analogen Kontinuum untrennbar mit dem Zeichen verbunden ist, wird hier differenzierbar damit verknüpft: "A" + Größe X + Schriftart Y + Farbe Z. In digitalen Medien entsprechen Zeichen eindeutigen Werten und können daher innerhalb von "symbolischen Maschinen" (d.h. Rechnern) flexibel verarbeitet, automatisiert und nach mathematischen Regeln manipuliert werden. Digitale Zeichen verwandeln analoge Ganzheiten in virtuelle, logisch-mathematisch handhabbare Einheiten.

Johannes Bittner, 04.06.2004